Kuschelige Pädagogin auf vier Pfoten

An der Wolfgang-Borchert-Schule begleitet Hündin Mimi Lehrerin Brigitte Finkel in den Unterricht

Streicheleinheit auf dem Schulhof: Airedale-Hündin Mimi mit Brigitte Finkel (r.) und Schülerin Sandra Müller. Foto: shz.de/Gravert

Der lange Prüfungstag ist Mimi nicht anzumerken. Ganz entspannt lässt sich die fünfjährige Airedale-Terrier-Hündin auf dem Schulhof von Sandra Müller hinter den Ohren kraulen. In der mündlichen Englisch-Prüfung der Zehntklässlerin gerade eben war Mimi mit dabei – wie immer, wenn ihr Frauchen Brigitte Finkel unterrichtet. Seit anderthalb Jahren ist Mimi der Schulhund der Wolfgang-Borchert-Gemeinschaftsschule.

Schulhund Mimi, Foto: shz.de

Dass ihre Hündin sich für den Schuldienst eignet, hat Brigitte Finkel schnell gemerkt. Seit vielen Jahren hält die Lehrerin Airedale-Terrier und immer mal kamen ihre Hunde mit ihren Schülern in Kontakt. „Da ist mir schon aufgefallen, dass das eine positive Wirkung hat“, sagt Finkel. Als Mimi dann aber mal mit in die Schule kam, war es noch anders. „Sie strahlte Freundlichkeit, Wärme und Empathie gegenüber jedem Kind aus und fühlte sich sichtlich wohl“, sagt Finkel. Damit brachte die braun-schwarze Hündin ihr Frauchen auf die Idee aus ihr einen professionellen vierbeinigen Schulbegleiter zu machen. „Ich habe dann erstmal das Einverständnis der Schulleitung eingeholt und es noch eine Zeit lang ausprobiert. Als ich mir sicher war, dass Mimi geeignet ist, haben wir dann die Ausbildung begonnen.“

Im Frühjahr 2016 besuchte zunächst Finkel Seminare zum Thema Schulhund an der Uni Flensburg und gemeinsam absolvierten beide dann eine Ausbildungswoche für Schulbegleithunde-Teams. Am Ende wurde die Eignung in einem ausführlichen Gutachten bestätigt. „Dabei hatte Mimi eigentlich gar nicht viel Ausbildung nötig“, sagt Finkel. Sie sei ein Naturtalent. Der Lehrerin war es aber wichtig, dass alles korrekt und transparent ablaufe. Auch Versicherungsfragen waren zu klären und ein Hygieneplan wurde erstellt – etwas bürokratischer Aufwand bringt der Einsatz eines Schulhundes mit sich.

Der lohne sich aber, sagt Finkel. Denn hinter der Schulbegleitung steckt keinesfalls nur Frauchens Privatvergnügen oder der Spaß der hundebegeisterten Schüler, sondern knallhartes pädagogisches Kalkül. Mimi sei ein „unbezahlbares“ Hilfsmittel für ihre Arbeit, erklärt Finkel. Der Hund bringe durch seine Anwesenheit Klassen dazu, sich selbst zu disziplinieren – ganz ohne Strafarbeiten und Klassenbucheinträge. „Erarbeitete Regeln werden eingehalten. Selbst die größten Chaoten nehmen Rücksicht auf Mimi.“ Aufmerksamkeit, Sozialverhalten und allgemein die Stimmung verbessere sich nachhaltig. Selbst eine ungeliebte siebente Stunde Englisch könne mit Hund angenehmer und ertragreicher werden.

Darüber hinaus sei Mimi ein Schlüssel, um einen Zugang zu schwierigen und verschlossenen Schülern zu bekommen, berichtet Finkel. „Dabei kann man sagen, je jünger und schwieriger ein Kind ist, desto größer ist das Potential mit dem Hund eine Verbesserung zu erreichen.“ Neben ihrem eigentlichen Unterricht an der Gemeinschaftsschule besucht die Itzehoerin mit Mimi daher auch einmal in der Woche ehrenamtlich Förderschüler im Grundschulalter. „Es ist toll zu sehen, wie diese Kinder auf Mimi reagieren.“ Brigitte Finkel ist längst nicht die einzige Lehrerin, die auf tiergestützte Pädagogik – so der Fachausdruck für den Einsatz von Schulbegleithunden – setzt. Auch die Grundschule Sude-West hat einen Schulhund, in Kellinghusen und Glückstadt sind ebenfalls vierbeinige Helfer in Klassenzimmern unterwegs. Genaue Zahlen liegen bisher weder beim Bildungsministerium noch beim Kreisschulamt vor. „Flächendeckend“ seien Schulbegleithunde noch nicht, heißt es aus Kiel. Das Ministerium hat aber schon mal allgemein gültige Regeln für den Einsatz der Vierbeiner im Klassenzimmer erlassen.

Quelle: shz.de

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